SCHWARZMETALLROMANTIK - ZUFLUCHT: SEHNSUCHT


Teil 1: Stille, mehr Stille

Stille Pfade, tagbefreit
Hinein in jede Dunkelheit
Winters Atem, mein Geleit
Die Tränen tragen heute weit
Denn bitter ist, was Aufbruch scheint
Aus einer leidvoll toten Zeit
Bis Herzschlag wieder Leben meint
Sind Augenblicke Ewigkeit

Unterm treuen Taumond weisen Waldes Wächter mir den Weg
Welke Worte hallen wider, grausam auf vertrautem Steg
Wie viel Zeit nur habe ich schon, hoffnungsvoll in Schwarz gewand't
Hier verbracht am Elfenspiegel, ohne dass ich Weisheit fand?

Frosterstarrt liegt er nun vor mir, darin die Vergangenheit
Meines Geistes Graugemälde, nie geseh'ne Einsamkeit
Ufer säumend' tote Sterne scheinen schließlich sonderbar
Ward ich des Verdachtes noch in Herbstes Sterben nicht gewahr?

Und da!
Welch ungeahnte, klare Klänge dringen an mein Ohr?
Der Winterwind
Herzens Fragen
Geistes Antwort:
So weht das Leben manches Mal

Doch Augenblick ist mein
Und keines Anderen
Luft und Sehnsucht

Kaum gedacht, lichtet sich der Abend - der Wald ergrünt von Zauberei
In einem Blicke hundert Schätze - und ich bin endlich wieder frei!

Denn ich ahne wilde Gärten, die in Sturm und Schnee gedeih'n
Schon beleb' ich waghaft Zeilen, mich dem Frühlingshauch zu weih'n
Sanft umspielen Feuerfeen meine Sinne für die Weil'
Fühlen fließt in dunklen Strömen, offenbarend Licht und Heil

Und mit märchenhaftem Wirken erschließt sich
Was viel zu lange unerkannt, im Glanze:
Sterben wird Erinnerung
Leben aber fängt heut' Nacht ein jeder Blick!
Verbannend die Bilder aus lichter Zeit
Entfliehend den Schatten
Truggeworfen und endlich durchschaut
Endlich ...
Eben schweren Schrittes
Jetzt federleicht in Wort und Zeile
Und ich atme die Stille am See

Was verbirgst Du, Nacht, vor jenen, die Dich nie erkannt
In Gestalt der Ewigkeit, die sich in Augenblicken fand?
In Gestalt der Einsamkeit, die da in düst're Kälte starrt?
Zu vieles hast Du offenbart
In die Gewissheit mich verbannt
Dass ich wohl reichlich wortgewandt
Mit tausend Zeil'n es nicht vermag
In denen je Bedeutung lag
Dich zu erklär'n der Wahrheit nah
Selbst dem, der Dich verstehen will
Und all die Schönheit, die ich sah
So sehe ich und schweige still

Unweit träumt die alte Eiche, weiß nicht um die Welt, die taub
Flüstert Namen alter Götter in des Winters toten Staub
Unweit stirbt ein Bild am Wasser, blass geworden mit der Zeit
Flüstert nie mehr jenen Namen in des Winters Dunkelheit

Denn aus unbemerkt Verblich'nem bin ich hier und jetzt befreit
Zeitverlor'n in jungen Welten - ahnungsvoll und endlos weit!
Blicke finden neu entflammend in des Mondes Schattenreich
In den tiefsten Schluchten selbst liegt silbern' Scheinen zaubergleich!

Und nicht vor Kälte muss ich zittern, als ein Hauch die Stille bricht!
Und nicht zu fliehen will ich träumen! Aus Gedanke wird Gedicht:

„Quelle ist mir manch Erleben
Ganz erhaben in der Nacht
Heimlich wogend' Klänge weben
Tief'res Jetzt als je gedacht

Hier fängt die Feder viel Empfinden
Schwarz füllt Weiß mit Innigkeit
Zeilenwerk von sanften Winden
Herzbewahrt für alle Zeit

Ja, von diesen Mondscheinwelten
Die uns einst zusamm'geführt
Uns're Seelen endlich hellten
Bin ich noch allein berührt

Ich erhalte jene Träume
Da mein Weg zu Sternen weist
Grässlich Fänge kahler Bäume
Doch gen Himmel steigt mein Geist!

Und manchmal wird ein Augenblick
Der fast vergessen, wieder mein
Manchmal kehre ich zurück
In jene Zeiten, klar und rein
Die nicht versunken in den grauen
Sümpfen der Vergangenheit
Nicht verwittert in den rauen
Stürmen aller Sterblichkeit

Und oft noch denk' ich an die Worte
Die nie blassen, nie vergeh'n
Oft noch denk' ich an die Orte:
Quellen, Flüsse, Fälle, Seen
Und an zweier Schatten Bilder
Ist doch Bild auch nie genug
Immerdar ein heilsam milder
Wohl durchschauter Selbstbetrug?“

Noch für Stunden weil ich wortlos hier im Schweigen dichter Welt
Geb' mich hin dem flammend' Leben, das schon schwindet, wenn es hellt

Bleiben wird zur Morgenröte meinem Herzen etwas Glut
Zu verwinden kargen Winter, zu entfachen neuen Mut!


Teil 2: Eine Wintersehnsucht

Geisterweiß auf Winterwegen
Wo Märchenwort nur Wahrheit wiegt
Still in traumesgleichem Schweben
Alles schwebt im Frühlingslied!

Und so spür' ich mein Geheimnis

Vergessen ist das Tagesregen
Das Geflecht von Freud' und Leid
Eins geworden alles Streben
In der stürmend' Einsamkeit

Ein Flüstern von verborg'nem Leben
Dringt durch unsichtbaren Wald
Streich aus meinem Sinnesweben
Weht und weht mir rau und kalt
Als das Zwielicht schaurig fällt:
Nur Ahnung von vertrauter Welt

Ins Herz, ins Herz!

Eben atmet Unbehagen
Jetzt durchströmt mich jedes Glück
Schweigend lausch' ich Zauberfarben:
Nebel, Nacht und Augenblick

Andächtig
Erhaben
Und ...


Teil 3: Zum Leben

Dämmerung: Der Raureif taut
Im Licht, das meine Zuflucht hellt
Ein traumbeseelter Morgen graut
Nur Wanderern in welker Welt
Vergangen ist der tiefste Schmerz
Und letzte Wunden heilt die Zeit
So lege ich die Hand aufs Herz
Zum Abschied für die Ewigkeit

Manches stirbt zu neuem Leben, vieles nimmt mit sich der Fluss
Das ersetzbar Lichterfüllte, um das ich nicht trauern muss
Ein Versprechen will ich geben, da ich jetzt die Worte find':
Flüchtig halt' ich dieser Zeiten Bilder, wie sie nützlich sind

Doch Winter schweigt, zum Tod geführt
Was fügsam schlief, das wacht forthin
Der freie See mein Herz berührt
Im Blick nun spür' ich seinen Sinn
Als flammend' Zeilen, die ich schrieb
Schon anvertraut dem Waldeswind
Er soll weit tragen, was mir lieb
Hinaus, wo all die Dichter sind

Denn ich muss nun für mich auf diesen neuen Wegen weitergeh'n
Zu erfüll'n die Innerleere, all das vollends zu versteh'n
Welcher Ahnung erste Schimmer einen sich in Glanz alsbald?
Zu Gedanken? Zu Gewissheit? Goldenlichter Morgenwald!
Führen nur geheime Pfade erst zu dem, was wirklich zählt?
Birgt das Leben so viel mehr für den, der mit dem Herzen wählt?

Keiner Antwort kann ich lauschen, der ich nun zu hör'n vermag
Keiner „Weisheit“ will ich folgen, die bestimmt den toten Tag!
Nachtes Zauber längst verfallen, drängt Bewahrtes viel zu frei
Sehnsucht kennt ganz and're Welt, und sei es doch bloß Träumerei

Wohlan, es ward genug gedacht
Und ich verlass' den Eichenhain
Doch was die Stunden hier entfacht
Soll Feuer göttlich' Funkens sein
Wie heimwärts zieh' ich weiter fort
Und lausch' der Lerche Lichtgesang
Ich nehme wahr den fremden Ort
Als kannt' ich ihn ein Leben lang

Arglos spielt mit Herzen, was nach Winters Kälte wiederkehrt:
Blauer Elfenblicke Träume, Sehnsucht, die Verachten lehrt
Kunstvoll ist die Zauberklinge, die bedacht durch mich geführt
Die manch Dasein wohl beendet und manch wahres Leben schürt

Denn dies' Wunder alter Zeit
Das fast schon in Vergessenheit
Hat mich noch heute Nacht befreit
Ist mir auch weiterhin Geleit
Bis allen Todes Quell versiegt
Und jedes Sommerbild gebannt
Im Dufte blauer Rosen liegt
Noch namenlos und unbekannt

Unbekannt ...

Dann will ich ganz neu durchschauen, wie bedeutsam alles war
Durch die Nacht zum Licht geführt, ist mir am Ende eines klar:
Nicht Verlust nur heißt der Abschied, dieser Schmerz verhallt noch süß
Hält den Geist verwehter Stunden, und so bleibt, was mich verließ

Freiheit!


Teil 4: Sonnenaufgang

Erste Strahlen durch den Wald
Vergolden Nacht auf jungen Blüten
Eine Weise spielt der Wind
Mit Zaubermacht hinab zu mir
In die Schatten alter Bäume
Und der Morgen scheint so nah

Erwacht bin ich nach langer Zeit aus Winters tiefem Schlaf
Noch einsam zwar, noch kalt durchweht, wo Dämmersonn' einst Dich auch traf
Doch Stille ahnt, was weit entfernt
Es strömt in mich, was fast verlernt
Fast kältesterbend ich vergaß

Kaum unerreichbar spüre ich, was dieser Morgen bringt
Als allenthalben weltentfernt die Lerchenschar von Frühling singt
Ja, Lebensrot verzehr' ich hier
Mit Funken flammend her zu mir
Die Nacht verstummt, der Tag erklingt

Ich weil' am See, dem Nebel gleich
Und ruhe in mir, herzerwacht
Die Stille nur umwiegt die Zeit
Eh sie mich ganz und gar entfacht

Nach der kalten Sonnenwende ...

Der Tau
Die Tiefe
Das Tor:
Der Wald
Und der Winter ist vorbei

Ja, der Winter ist vorbei!


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